Iran absichern

Ungeachtet des Landes Iran kann man die finanzielle Abwicklung von Transaktionen mit dem Ausland generell u.a. durch folgende Instrumente absichern:

  • Unwiderrufliche (das sind sie generell) Akkreditive einer Bank im Land des Importeurs mit dem Versprechen, gegen Vorlage vorab definierter Dokumente eine unmittelbare Zahlung (bei Sicht) zu leisten oder ein terminlich definiertes Zahlungsversprechen abzugeben.
    Um dies zu einem passablen Sicherungsinstrument zu machen, wird diesem je nach Auftrag eine Bestätigung, eine Remboursschutzzusage (stille Bestätigung) oder bei Geschäften mit Nachsicht eine Forfaitierungszusage bzw. Ankaufszusage der avisierenden Bank hinzugefügt.
  • Garantie, Bürgschaft oder Delcredere-Deckung eines Kreditversicherers (öffentlich oder privat) zum Ausgleich der Nichtzahlung im Falle der Insolvenz, verschiedener politischer Zahlungshinderungen oder der schlichten Nichtzahlung (so genannter Protracted Default).

Was ist für Sie derzeit verfügbar und welche Absicherungsinstrumente eignen sich?

Für die (stille) Bestätigung und die Forfaitierung (den Forderungsankauf) von Akkreditiven aus Iran stehen allen voran die iranischen und iranisch dominierten Kreditinstitute in Europa (derzeit vorrangig in Deutschland) zur Verfügung. Einige Exporteure peilen auch im Bewusstsein der früheren Sanktionierung dieser europäischen Niederlassungen von Banken usw. Haftungsübernahmen dieser Art an bzw. sind im Extremfall sogar (oftmals aus kalkulatorischen Gründen) bereit, auch ohne jede zusätzliche Besicherung im Inland in die Lieferverpflichtung zu gehen und in Vorlage zu treten.
Die Nicht-Bestätigung mag eine Option sein – wobei das Damoklesschwert der Wieder-Sanktionierung permanent über uns schwebt  und bei der Nicht-Entschlossenheit und in diesem Punkt fragilen Einstellung der europäischen Regierungen zunehmend risikoträchtig erscheint.

Der Cash-Pool der Erlöse, z.B. aus den iranischen Öl-Exporten nach Europa usw., liegt zweifellos bei zwei Banken in Hamburg, die wie gesagt auch zu Obligoübernahmen generell bereit sind. Über evtl. verbleibende Restrisiken müssen sich Exporteure im Einzelfall bewusst sein und diese kennen.

Ob und inwieweit anderweitig Bereitschaft und Kapazität zur Bestätigung von Iran-Risiken besteht, bedarf individueller Prüfungen - gerne sind wir Ihnen im Bedarfsfall hier behilflich.

Der Versicherungsmarkt ist eine Lösungsvariante, allerdings in der Realisierung bislang nur zu einem eingeschränkten Umfang. Der Bund stellt über Euler Hermes als Mandatar eine Absicherung von zumindest 90% auf Einzelantrag zur Verfügung, wenn und soweit das Akkreditiv einer akzeptablen iranischen Bank präsentiert werden kann (bislang zumindest Bank of Industry and Mine, Bank Melli, Saman Bank, Middle East Bank etc.). Die Deckungsmöglichkeiten hier sind allerdings auf max. ein Jahr beschränkt - für Laufzeiten darüber hinaus bedarf es einer iranischen Staatsgarantie, ersatzweise der Zentralbank Markazi. In diesem Zusammenhang halten in Iran z.B. Diskussionen darüber an, warum der Staat private Investitionsvorhaben stützen soll, so dass sich die Verfügbarkeit von Garantien des iranischen Finanzministeriums bislang zumindest in engen Grenzen hält. Nicht verwechselt werden sollte in diesem Zusammenhang eine Garantie über die Höhe einer Einspeisevergütung für eine Anlage zur Herstellung von Strom aus Photovoltaik oder Windkraft mit einer Finanzgarantie.

Der private Versicherungsmarkt verhält sich bei der Anfrage von Indeckungnahmen noch massiv zurückhaltend. Im Kern gibt es hier schlicht aufgrund der fehlenden Zahlungserfahrung keinerlei Aspekte, die die Übernahme so genannter Adressrisiken (selbst NIOC ist kein derzeit akzeptables Risiko) ausreichend rechtfertigen. Auch bei iranischen Bankrisiken ist man noch in der Übungsphase und geht entsprechend selektiv bei der Auswahl vor. Zum Verständnis wichtig ist hierbei zu wissen, dass z.B. der Londoner Versicherungsmarkt (Lloyd’s oder Lloyds) nicht unerheblich US-amerikanisch dominiert ist, über Mechanismen der Rückversicherung, die wieder US-amerikanische Versicherer einbindet, ggfls. aber Zahlungswege für Prämien und Entschädigungen über US-Wege involviert.

Welche Möglichkeit die beste und auch günstigste ist, muss im Einzelfall ermittelt werden.

Ihr kompetenter Partner

Reiner Jahn
Reiner Jahn

+49 2833-573314

Fragen Sie unverbindlich an!